23.07.2015

AAIC: Wirkstoff Solanezumab könnte dauerhaften Effekt haben

Der weltgrößte Alzheimer-Fachkongress (AAIC) ist ein Highlight im Kalender aller Alzheimer-Forscher. In Washington kamen Forscher aus über 70 Ländern zusammen und diskutierten über aktuelle Forschungsergebnisse. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Themen:

Wirkstoffe in der Forschung: Solanezumab

Neue Studiendaten präsentierte der US-Pharmakonzern Eli Lilly zu seinem Präparat Solanezumab. Bereits 2012 gab es Hinweise darauf, dass der Wirkstoff die Gedächtnisleistung von Patienten im Frühstadium verbessert. Nun konnte Eli Lilly zeigen, dass eine Probandengruppe, die mit der Einnahme des Wirkstoffs ein halbes Jahr früher begann, auch nach über 3 Jahren noch bessere Ergebnisse erzielte als Studienteilnehmer, die später mit der Einnahme starteten. Das Präparat scheint also dauerhaft zu wirken. Wie groß der Effekt auf die Gedächtnisleistung ist, wird eine weitere Studie mit 2.100 Probanden zeigen, deren Ergebnisse für Ende 2016 erwartet werden.

Wirkstoffe in der Forschung: Aducanumab

Die US-Pharmafirma Biogen hatte im Frühjahr mit neuen Forschungsergebnissen zu ihrem Wirkstoff Aducanumab für Aufsehen gesorgt. Demnach hat sich die positive Wirkung des Medikaments auf die Gedächtnisleistung je nach Höhe der Dosis (1mg, 3mg und 10mg pro Kilogramm Körpergewicht) verstärkt. Es sind aber auch Nebenwirkungen aufgetreten. Jetzt zeigte sich, dass bei Probanden, die 6mg bekamen, keine Verbesserung eintrat. Dieses uneinheitliche Ergebnis könnte mit der geringen Probandenzahl zusammenhängen. Eine große Studie, die voraussichtlich bis 2018 läuft, soll nun für Klarheit sorgen.

Sowohl Solanezumab als auch Aducanumab befinden sich noch im Erprobungsstadium und sind nicht erhältlich. Sollten die weiteren Daten zu Solanezumab positiv ausfallen, wäre eine Zulassung frühestens in drei bis fünf Jahren denkbar. Aducanumab befindet sich in einem noch früheren Entwicklungsstadium.    

Typ1-Diabetiker mit höherem Alzheimer-Risiko

Ein Zusammenhang zwischen Typ2-Diabetes und einem erhöhten Alzheimer-Risiko ist bereits bekannt. Jetzt konnte die US-Forscherin Dr. Rachel Whitmer zeigen, dass auch Diabetiker vom Typ1 ein höheres Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken. Whitmer wertete dazu die Daten von 490.344 Menschen über 60 Jahren aus, die an einer Langzeitstudie teilnehmen. Es zeigte sich, dass das Alzheimer-Risiko der Typ1-Diabetiker um 73 Prozent erhöht war.

Speichelprobe zur Alzheimer-Diagnose

Eine frühe Diagnose der Alzheimer-Krankheit bringt viele Vorteile: Die Behandlung kann frühzeitig beginnen und damit Lebensqualität erhalten. Bislang ist eine Frühdiagnose mit den derzeit verfügbaren diagnostischen Verfahren aufwändig und führt nicht immer zu einem eindeutigen Ergebnis. Daher sind neue Verfahren in der Erprobung. Darunter ist auch der Versuch, Alzheimer über eine Speichelprobe zu diagnostizieren. Die kanadische Forscherin Shraddha Sapkota konnte verschiedene Substanzen im Speichel nachweisen, die Rückschlüsse auf die Gedächtnisleistung geben.

Frauen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung stärker gefährdet

Mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (LKB) wird eine Gedächtnisstörung ohne Beeinträchtigung der Alltagsfunktionen bezeichnet. Menschen mit einer LKB haben ein erhöhtes Alzheimer-Risiko. Dies scheint besonders für Frauen zu gelten, wie die amerikanische Forscherin Katherine Amy Lin nun zeigen konnte. Bei Frauen über 70 Jahren, die eine LKB hatten, nahm die Gedächtnisleistung laut psychometrischer Tests doppelt so schnell ab, wie bei den männlichen Probanden im gleichen Alter. Verschiedene Studien legen geschlechtsspezifische Einflüsse auf die Alzheimer-Krankheit nahe. Auch die Alzheimer Forschung Initiative fördert die Erforschung des Themas.

MetLife Award an Prof. Dr. Christian Haass

Der deutsche Alzheimer-Forscher Prof. Dr. Christian Haass wurde mit dem renommierten MetLife Award ausgezeichnet. Der Biochemiker von der Ludwig-Maximilians-Universität München und Standortsprecher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in München hatte bereits 1992 die Beobachtung gemacht, dass das für die Alzheimer-Krankheit charakteristische Beta-Amyloid nicht nur von Alzheimer-Patienten, sondern von jedem Menschen gebildet wird. Diese damals überraschende Erkenntnis bedeutete für die Alzheimer-Forschung einen großen Fortschritt. Sie führte unter anderem zu einem Zellkultursystem, mit dem Medikamente gefunden wurden, die gegenwärtig in der Therapie am Menschen erprobt werden. Prof. Haass war von 2003 bis 2007 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Alzheimer Forschung Initiative.

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Diagnose der Alzheimer-Krankheit

Aktuelle Behandlungsmöglichkeiten

Alzheimer: Eine dreidimensionale Entdeckungsreise

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