14.07.2010

Angehörige und Förderer informieren sich an der Uniklinik Mainz

Wie wird die Alzheimer-Krankheit diagnostiziert? Welche Hilfen gibt es für Angehörige, falls die Diagnose Alzheimer gestellt wird? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung für Förderer und Forschungspaten, zu der die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) Ende Mai eingeladen hatte.

In diesem Jahr fand die Veranstaltung an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz statt. Die Tagung in Mainz war die zwölfte der AFI und bietet die Gelegenheit, vor Ort Einblick in die aktuelle Forschungsarbeit AFI-geförderter Wissenschaftler zu erhalten. Die Mainzer Wissenschaftler Dr. Andreas Fellgiebel, Dr. Elzbieta Kojro und Dr. Rolf Postina sind von der AFI mit über 200.000 € gefördert worden.

Neben aktuellen Ergebnissen aus der Grundlagenforschung referierte Dr. Andreas Fellgiebel über Diagnostik im Rahmen der Gedächtnisambulanz in Mainz, seine Kollegin Dr. Ingrid Schermuly berichtete über die dort ins Leben gerufene Psychotherapiegruppe für Alzheimer-Patienten und Angehörige.

Ansprechpartner bei Gedächtnisschwierigkeiten: Gedächtnissprechstunden

Dr. Fellgiebel, Leiter der Gedächtnisambulanz am Universitätsklinikum Mainz, berichtete im Rahmen seines Vortrags, dass ungefähr 30 Prozent der Alzheimer-Patienten nicht diagnostiziert werden. Bei Gedächtnisproblemen empfiehlt sich daher ein Gang zu einer spezialisierten Gedächtnissprechstunde. Dort können die Ursachen für Gedächtnisprobleme identifiziert und passende Therapien eingeleitet werden. Inzwischen bieten viele Universitätskliniken diese Möglichkeit.

Aus der Praxis der Gedächtnissprechstunden ist laut Dr. Fellgiebel bekannt, dass normales altersbedingtes Nachlassen der geistigen Fähigkeiten oft der Grund für Gedächtnisprobleme ist. Häufig leiden Ambulanzpatienten auch unter einer Altersdepression, die ebenfalls mit Gedächtnisbeschwerden einhergeht. Diese ist im Gegensatz zu Alzheimer gut behandelbar. Außerdem können für kognitive Störungen zum Beispiel auch Vitaminstoffwechselstörungen, Veränderungen in Leber oder Niere sowie Tumore verantwortlich sein. Um solche Ursachen ausschließen zu können, ist es sinnvoll die Untersuchung durch bildgebende Verfahren zu ergänzen.

Ziel: frühe Diagnose und frühe Intervention

Je früher die Diagnose Alzheimer gestellt werden kann, umso schneller kann eine Therapie begonnen werden, denn einmal degenerierte Nervenzellen sind nicht mehr regenerationsfähig. Wenn die Diagnose im frühen Stadium gestellt wird, ist die Krankheitseinsicht eines Patienten wahrscheinlicher, da er rationalen Argumenten besser zugänglich ist, so Fellgiebel.

Durch eine frühe Therapie bleibt die Selbständigkeit eines Patienten länger erhalten und durch die Schulung und Betreuung der Familienangehörigen kann Stress oder Depressionen aller Beteiligten entgegengewirkt werden. Besonders wichtig für Alzheimer-Patienten sind die Wahrung von Lebensqualität und Selbständigkeit sowie guter Familienzusammenhalt und häusliche Pflege.

Zusammenfassend wies Dr. Fellgiebel darauf hin, dass eine frühe Diagnostik wichtig ist, um mit einer frühen medikamentösen Therapie und psychosozialer Intervention einsetzen zu können. Außerdem ist eine Differenzialdiagnostik entscheidend, um andere (möglicherweise besser behandelbare) Ursachen für die Gedächtnisstörungen auszuschließen.

Psychotherapiegruppe für Alzheimer-Patienten und Angehörige

Zu den psychosozialen Interventionen, die sich nach einer frühen Diagnose als sehr effektiv erweisen, gehört die verhaltenstherapeutische „Gruppentherapie für Patienten mit leichter Demenz und ihre Angehörigen“. Seit 2002 bietet die Universitätsmedizin Mainz diese Therapie an. Laut Dr. Ingrid Schermuly, Leiterin der Psychotherapiegruppe, setzt diese Therapie am Besten direkt nach der Diagnosestellung ein. Verhaltenstherapie bedeutet in diesem Fall die Anpassung an verloren gehende Fähigkeiten. Auch werden Verhaltensauffälligkeiten und psychiatrische Symptome behandelt.

Zu den Techniken der Therapie gehören der Einsatz von Gedächtnishilfen (Gedächtnisbuch), die Aufklärung über die Krankheit und der Aufbau und Erhalt diverser Aktivitäten zur Vorbeugung einer Depression. Im Schnitt finden 12 Sitzungen von je 1,5 Stunden statt. Informationen über die Krankheit, Rollenspiele und kognitive sowie psychomotorische Stimulation sind Bestandteile der Therapie. Thematisiert werden unterschiedliche Aspekte, die im Leben mit einer Demenz innerhalb einer Familie eine Rolle spielen wie der Rollenwechsel in der Ehe, Kommunikation, Ernährung, Wohnen, Freizeitaktivitäten, eine gute rechtliche Vorsorge, Patientenverfügungen und vieles mehr.

Seit 1997 sind in internationalen Studien Stabilität und Nachhaltigkeit dieser Demenz-Therapie nachgewiesen worden. Im Schnitt können Patienten ein Jahr länger zu Hause gepflegt werden.

Laut Dr. Ingrid Schermuly ist es für die Teilnehmer wichtig zu erfahren, dass sie nicht alleine mit ihrem Leiden sind und dass sie als Vorbild für andere dienen können. In einem Film über das Projekt wurde deutlich, dass mit der Therapie auch die Partnerschaften geschützt werden sollen. Die Betroffenen lernen, gemeinsam weiterhin aktiv zu sein und Hobbys zu pflegen. Auch wird Wert darauf gelegt, dass sich jeder Angehörige pro Woche einige Stunden Zeit für sich selbst nimmt.

Weitere Informationen:

Gedächtnissprechstunde am Uniklinikum Mainz
http://www.unimedizin-mainz.de/psychiatrie/patienten/ambulanzen/gedaechtnisambulanz-memory-clinic.html

Liste mit Gedächtnissprechstunden in Deutschland

Ratgeber „Hilfe für Pflegende – Stress bewältigen“

Informationen über die AFI-Forschungspatenschaft

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