Häufig gestellte Fragen

Hier finden Sie eine Reihe von Fragen und Antworten zur Alzheimer-Krankheit. Sie können sowohl über die Kategorien zu den Fragen gelangen, als auch über die Schlagwortliste.
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Schlagworte

Angehörigenhilfe | Arztbesuch | Kosten | Paarbeziehung | Pflegeversicherung | Sexualität | Zärtlichkeit

 

Rat und Hilfe

An wen wende ich mich, wenn ich den Verdacht habe, an der Alzheimer-Krankheit zu leiden?

Der erste Ansprechpartner bei Gedächtnisproblemen ist der Hausarzt, der den Patienten dann eventuell an einen Neurologen, einen Psychiater oder an eine Gedächtnissprechstunde überweist. Gedächtnissprechstunden, auch Memory-Kliniken genannt, sind an Krankenhäuser angeschlossene Abteilungen, die sich auf Hirnleistungsstörungen spezialisiert haben.

Eine Liste mit Gedächtnissprechstunden finden Sie hier

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Wie erleben Alzheimer-Patienten Nähe und Sexualität und was verändert sich?

Der Wunsch nach Nähe und Zärtlichkeit besteht auch im Alter fort. Dennoch wird das Thema „Sex im Alter“ in der Gesellschaft noch immer als Tabuthema behandelt. Eine weitere tabuisierende Komponente kommt hinzu, wenn einer der Partner an Alzheimer erkrankt ist.

Der gesunde Partner muss in vielerlei Hinsicht phasenweise Abschied nehmen von dem bekannten Menschen durch die fortschreitende Veränderung infolge von Alzheimer. Dadurch verändert sich auch die gemeinsame Intimität.

Es gibt keinen Leitfaden, wie sich das Sexualverhalten bei Alzheimer-Patienten mit der Zeit entwickelt. Es kann sein, dass die Lust völlig nachlässt, wieder erwacht oder aber eine sexuelle Enthemmung eintritt. Vorstellungen, Neigungen und Wünsche, die vor der Erkrankung unterdrückt wurden, können offen zu Tage treten und wollen dann vielleicht ausgelebt werden. Die Veränderungen können ein geändertes Rollenverhältnis innerhalb der Paarbeziehung nach sich ziehen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Patienten im Pflegeheim Zärtlichkeiten mit vermeintlich Fremden austauschen.

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Wie wird mit dem Thema Sexualität in einer Pflegeeinrichtung umgegangen?

Die Diagnose Alzheimer kann auch einen Einschnitt in der Sexualität des Betroffenen nach sich ziehen. Da Alzheimer-Patienten Lust empfinden und in einigen Fällen eine sexuelle Enthemmung beobachtet werden kann, hört auch in Pflegeeinrichtungen die Sexualität nicht auf.

Das stellt eine große Herausforderung für die Pflegeeinrichtungen dar, mit der derzeit unterschiedlich umgegangen wird. In vielen Heimen wird das Thema Sexualität noch tabuisiert. Eine klare und übergreifende Leitlinie gibt es bislang nicht. Generell gilt: Wenn bei der Aufnahme eines Alzheimer-Patienten eine Sexualanamnese erfolgt, kann dies die Betreuung erleichtern, da sich Ärzte und Pflegekräfte besser auf den Patienten einstellen können. Dies erfordert aber die nötigen Strukturen – vor allem ein geschultes Personal.

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Ein Ehemann schildert, dass seine an Alzheimer erkrankte Frau in letzter Zeit wiederholt zählt und reimt. Dabei ist sie viel klarer als sonst. Ihr Lachen zeigt, dass Sie Freude daran hat. Trotzdem macht er sich Sorgen um seine Frau.

Da bei Menschen mit Alzheimer zunächst das Kurzzeitgedächtnis und das Gedächtnis für die nähere Vergangenheit Schwierigkeiten bereiten, beruft sich diese Frau wahrscheinlich auf lange zurückliegend erlernte Worte und Reime.

Viele Menschen mit Alzheimer stellen immer wieder dieselbe Frage, ob zur Vergewisserung oder als Ausdruck einer bestimmten Sorge. Sätze, Redensarten und sogar Gedichte werden oft wiederholt. Manchmal neigt ein Patient auch dazu, die gleiche Tätigkeit immer wieder durchzuführen, wie Regale abstauben oder Schuhe putzen. Dies ist meist kein Grund zur Beunruhigung, sondern eher ein Zeichen dafür, dass der Patient eine Beschäftigung gefunden hat, die ihm gut gefällt oder gut gelingt.

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Welche Unterlagen und Informationen sollte ich zum ersten Arztbesuch mitbringen?

Bringen Sie alle medizinischen Unterlagen mit zu Ihrem Arzttermin sowie eine Liste der Medikamente, die Sie aktuell einnehmen. Wenn Sie die Namen der Medikamente nicht wissen, nehmen Sie die Medikamentenverpackung mit. Ein Medikament oder auch die Kombination bestimmter Medikamente kann manchmal ähnliche Symptome hervorrufen, wie die Alzheimer-Krankheit. Da die Zeit beim Arztbesuch oftmals knapp bemessen ist, sollten Sie auch eine Liste der Symptome und Beschwerden anfertigen. So vergessen Sie nichts, worauf Sie den Arzt ansprechen möchten.  

Lesen Sie dazu auch unsere Rubrik „Wie spreche ich mit meinem Arzt?“

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Welche Kosten übernimmt die Pflegeversicherung?

In der Pflegeversicherung gibt es seit dem 1. Januar 2017 einige Neuerungen. Statt wie bisher drei Pflegestufen gibt es jetzt fünf Pflegegrade. Damit soll den unterschiedlichen Bedürfnissen von pflegebedürftigen Menschen besser Rechnung getragen werden. Der Pflegebedürftigkeitsbegriff wurde erweitert. Als pflegebedürftig gelten nicht mehr nur Menschen mit körperlichen Einschränkungen, sondern auch geistig oder psychisch beeinträchtigte Patienten. Menschen mit einer Alzheimer-Erkrankung oder einer anderen Demenz bekommen damit mehr Leistungen aus der Pflegeversicherung. Gemessen wird die Pflegebedürftigkeit nicht mehr wie bisher am Zeitaufwand, der für Hilfestellungen nötig ist. Entscheidend ist nun, wie selbstständig eine Person ist.

Für die Einstufung ist der Grad der Selbstständigkeit in sechs Bereichen ausschlaggebend:

  • Mobilität: z.B. Treppensteigen, Hinsetzen und Aufstehen, sich in der Wohnung bewegen
  • Geistige und kommunikative Fähigkeiten: z.B. örtliche und zeitliche Orientierung, Bedürfnisse formulieren
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: z.B. nächtliche Unruhe, Aggressivität, Antriebslosigkeit
  • Selbstversorgung: z.B. Körperpflege, Ernährung
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: z.B. Medikamenteneinnahme, eigenständige Arztbesuche
  • Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte: Alltagsorganisation, Sozialkontakte

Wer Leistungen aus der Pflegeversicherung bekommen will, muss einen Antrag stellen. Auch bei einer Alzheimer-Diagnose gibt es nicht automatisch Pflegegeld. Der Antrag wird bei der zuständigen Pflegekasse eingereicht, die bei den Krankenkassen angegliedert ist. Geprüft werden die Anträge bei gesetzlich Krankenversicherten vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) und bei Privatversicherten von MEDICPROOF, dem medizinischen Dienst der Privaten.

Beim Hausbesuch prüft ein Gutachter, wie selbstständig der Antragsteller seinen Alltag gestalten kann. Als Vorbereitung ist es ratsam, ein Pflegetagebuch zu führen, in dem festgehalten wird, in welchen Situationen Hilfe benötigt wird. Arztberichte und andere wichtige Unterlagen, zum Beispiel von betreuenden Diensten, sollten vorliegen. Zu empfehlen ist auch, dass eine Person bei der Begutachtung anwesend ist, die den pflegebedürftigen Menschen unterstützt, zum Beispiel ein pflegender Angehöriger oder ein Betreuer.

Die Entscheidung über die Einstufung in einen Pflegegrad trifft die Pflegekasse auf Basis des Gutachtens. Gegen diesen Entscheid kann schriftlich Widerspruch eingelegt werden. Bei Gewährung eines Pflegegrades zahlt die Pflegekasse rückwirkend ab dem Datum des Erstantrages. Gewählt werden kann zwischen einer Geldleistung und einer Sachleistung. Wer von seinen Angehörigen gepflegt wird, erhält eine Geldleistung. Übernimmt ein zugelassener Pflegedienst die Pflege, zahlt die Pflegeversicherung die Kosten als Sachleistung. Auch eine Kombination ist möglich.

Jeder Antragsteller hat einen Anspruch auf eine persönliche Pflegeberatung. Die Pflegekassen schlagen den Betroffenen dazu nach Eingang des Antrages einen konkreten Termin vor. Unabhängige Beratung bieten außerdem bundesweit mehr als 550 Pflegestützpunkte an. Pflegestützpunkte oder andere Hilfs- und Beratungsangebote in Ihrer Nähe finden Sie hier.

Geldleistung und Sachleistung (Stand 1. Januar 2017)

Pflegebedürftigkeit in Graden

Geldleistung für häusliche Pflege (Leistungen pro Monat in Euro)

Sachleistung für häusliche Pflege (Leistungen pro Monat in Euro)

Pflegegrad 1

-

-

Pflegegrad 2

316

689

Pflegegrad 3

545

1.298

Pflegegrad 4

728

1.612

Pflegegrad 5

901

1.995

 

Neben den genannten Leistungen bieten die Pflegekassen noch weitere Unterstützungsmöglichkeiten. Hierunter fallen zum Beispiel: Pflegehilfsmittel, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen.

Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die Pflegekasse auch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und der Rentenversicherung des pflegenden Angehörigen.

Detaillierte Informationen zu allen Leistungen aus der Pflegeversicherung bietet die Website des Bundesministeriums für Gesundheit.

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An wen kann ich mich wenden, wenn ich Hilfe benötige oder weitere Informationen haben möchte?

Es gibt eine ganze Reihe von Institutionen, die Ihnen weiterhelfen können. Eine Liste mit überregionalen Stellen finden Sie in unserer Rubrik „Hilfreiche Adressen“. Dort haben Sie Zugriff auf die Datenbank des Wegweisers Demenz - einem Angebot des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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Wo kann ich eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe finden?

Wenn Sie einen Menschen mit Alzheimer pflegen, kann die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige sehr hilfreich sein. Pflegende Angehörige sind einer hohen Belastung ausgesetzt und haben ein erhöhtes Risiko dadurch selbst krank zu werden. Der Austausch von Erfahrungen und der aktive Kontakt zu anderen Betroffenen kann Frustration oder Ängste mindern. Angehörigen-Selbsthilfegruppen finden Sie in vielen Städten und Gemeinden. Die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft (DAlzG) betreibt bundesweit Angehörigen-Selbsthilfegruppen. Das Alzheimer-Telefon der DAlzG erreichen Sie unter 01803-171017 (€ 0,09 pro Minute), Sprechzeiten: Mo-Do 9-18 Uhr, Fr 9-15 Uhr.

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