15.12.2016

Pflegeversicherung: Das ändert sich 2017

In der Pflegeversicherung gelten ab dem 1. Januar 2017 einige Neuerungen. Statt wie bisher drei Pflegestufen gibt es jetzt fünf Pflegegrade. Damit soll den unterschiedlichen Bedürfnissen von pflegebedürftigen Menschen besser Rechnung getragen werden. Der Pflegebedürftigkeitsbegriff wird erweitert. Als pflegebedürftig gelten nicht mehr nur Menschen mit körperlichen Einschränkungen, sondern auch geistig oder psychisch beeinträchtigte Patienten. Menschen mit einer Alzheimer-Erkrankung oder einer anderen Demenz bekommen damit mehr Leistungen aus der Pflegeversicherung. Gemessen wird die Pflegebedürftigkeit nicht mehr wie bisher am Zeitaufwand, der für Hilfestellungen nötig ist. Entscheidend ist nun, wie selbstständig eine Person ist.

Für die Einstufung ist der Grad der Selbstständigkeit in sechs Bereichen ausschlaggebend:

  • Mobilität: z.B. Treppensteigen, Hinsetzen und Aufstehen, sich in der Wohnung bewegen
  • Geistige und kommunikative Fähigkeiten: z.B. örtliche und zeitliche Orientierung,  Bedürfnisse formulieren
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: z.B. nächtliche Unruhe, Aggressivität, Antriebslosigkeit
  • Selbstversorgung: z.B. Körperpflege, Ernährung
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: z.B. Medikamenteneinnahme, eigenständige Arztbesuche
  • Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte: Alltagsorganisation, Sozialkontakte

Wer schon eine Pflegestufe hat, muss keinen neuen Antrag stellen. Die Umstellung in die neuen Pflegegrade erfolgt automatisch. Bei der Umgruppierung bei körperlichen Einschränkungen gilt die Grundregel „+1“. Wer also bisher Pflegestufe 1 hat, wird nun in Pflegegrad 2 eingruppiert. Bei der Umgruppierung von Menschen mit beeinträchtigter Alltagskompetenz, zum Beispiel bei Alzheimer-Patienten, gilt die Grundregel „+2“. Wer also bisher Pflegestufe 1 hat, wird in Pflegegrad 3 eingruppiert.

Gewählt werden kann zwischen einer Geldleistung und einer Sachleistung. Wer von seinen Angehörigen gepflegt wird, erhält eine Geldleistung. Übernimmt ein zugelassener Pflegedienst die Pflege, zahlt die Pflegeversicherung die Kosten als Sachleistung. Auch eine Kombination ist möglich.

Geldleistung für häusliche Pflege (Stand 1. Januar 2017)

Pflegegrad 1: -
Pflegegrad 2: 316 Euro
Pflegegrad 3: 545 Euro
Pflegegrad 4: 728 Euro
Pflegegrad 5: 901 Euro

Sachleistung für häusliche Pflege (Stand 1. Januar 2017)

Pflegegrad 1: -
Pflegegrad 2: 689 Euro
Pflegegrad 3: 1.298 Euro
Pflegegrad 4: 1.612 Euro
Pflegegrad 5: 1.995 Euro

Teil- und vollstationäre Leistungen

Auch wenn Patienten in teilstationärer Pflege (Tages- oder Nachtpflege) oder vollstationärer Pflege untergebracht sind, stehen ihnen Leistungen aus der Pflegeversicherung zu. Die Leistungen für die teilstationäre Pflege werden zusätzlich zu den Geld- bzw. Sachleistungen für die häusliche Pflege gezahlt.

Teilstationäre Leistungen (Stand 1. Januar 2017)

Pflegegrad 1: bis zu 125 Euro einsetzbarer Entlastungsbeitrag
Pflegegrad 2: 689 Euro
Pflegegrad 3: 1.298 Euro
Pflegegrad 4: 1.612 Euro
Pflegegrad 5: 1.995 Euro

Vollstationäre Leistungen (Stand 1. Januar 2017)

Pflegegrad 1: Zuschuss in Höhe von 125 Euro monatlich
Pflegegrad 2: 770 Euro
Pflegegrad 3: 1.262 Euro
Pflegegrad 4: 1.775 Euro
Pflegegrad 5: 2.005 Euro

Die Pflegekassen bieten noch weitere Unterstützungsmöglichkeiten. Hierunter fallen zum Beispiel: Pflegehilfsmittel, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, wohnumfeldverbessernde Maßnahmen sowie zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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