28.01.2016

Menschen mit Alzheimer sind nicht ansteckend

Erneut wird in den Medien diskutiert, ob die Alzheimer-Krankheit ansteckend sein könnte. Den Ursprung der Diskussion bilden Forschungsergebnisse von Karl Frontzek von der Universität Zürich. Der Forscher hatte mit seiner Arbeitsgruppe die Gehirne von sieben in recht jungem Alter verstorbenen Patienten untersucht, die allesamt an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit litten. Mit dieser hatten sie sich durch eine Hirnhaut-Transplantation infiziert.

Überaschenderweise fand Frontzek in den Gehirnen der Verstorbenen auch Beta-Amyloid-Ablagerungen, wie sie für die Alzheimer-Krankheit typisch sind. Da die Patienten für eine Alterserkrankung wie Alzheimer noch zu jung waren, liegt der Verdacht nahe, dass die Ablagerungen ebenfalls auf die Hirnhaut-Transplantation zurückgehen könnten.

„Keiner der Patienten hatte Alzheimer-Krankheit“

Prof. Dr. Roland Brandt

„Zunächst muss festgehalten werden, dass keiner der Patienten mit Beta-Amyloid-Ablagerungen auch die zweite definierende Komponente der Alzheimer-Krankheit aufwies, die sogenannten Alzheimer-Fibrillen“, sagt Prof. Dr. Roland Brandt, stv. Vorsitzender in unserem Wissenschaftlichen Beirat.

„Streng genommen hatte also keiner der Patienten die Alzheimer-Krankheit und es wurden auch nicht die Alzheimer-typischen kognitiven Beeinträchtigungen gefunden. Außerdem gibt es keinerlei Evidenz aus epidemiologischen Studien, dass die Alzheimer-Krankheit – außer in diesen Spezialfällen bei denen es zu einem direkten Kontakt mit Hirngewebe oder Hirnextrakten gekommen ist – übertragbar ist.“

Keine Auswirkungen auf den Umgang mit Alzheimer-Patienten

Die jüngsten Forschungsergebnisse beschreiben einen sehr speziellen Fall. Hirnhaut-Transplantationen werden heute nur noch selten durchgeführt.

Für die tägliche Pflege von Menschen mit Alzheimer ergeben sich überhaupt keine Konsequenzen. Wir können nach wie vor festhalten: Menschen mit Alzheimer sind nicht ansteckend.

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