21.01.2016

Wie entsteht aus Grundlagenforschung ein Medikament?

Das Projekt von Prof. Bayer zeigt, wie dieser Sprung gelingen kann.

Kurz gesagt

Ein Wirkstoff gegen die Vorstufen der für Alzheimer typischen Eiweißablagerungen (beta-Amyloid-Plaques) wurde erfolgreich im Tierversuch getestet. Nun wird dieser Antikörper fit gemacht, um auch beim Menschen einen neuartigen Therapieansatz gegen Alzheimer zu ermöglichen.

Was bisher geschah

Mit 80.000 Euro fördern wir seit November 2014 das Projekt von Prof. Dr. Thomas Bayer und seiner Arbeitsgruppe mit dem Titel „Neuer Antikörper gegen Vorstufen der Amyloid-Plaques bei Alzheimer“. Prof. Bayer ist Leiter der Arbeitsgruppe Molekulare Psychiatrie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Göttingen.

Prof. Dr. Thomas Bayer (Foto: Thomas Tratnik)

Es ist bekannt, dass beta-Amyloide, die bei Alzheimer eine fatale Rolle spielen, aus bis zu 42 Aminosäuren bestehen. Besonders die beiden kurzen Varianten (pyroglutamat Aβ3-42 und Aβ4-42) entstehen bereits im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit und bieten so einen idealen Ansatzpunkt für eine Therapie.

Bisherige Wirkstoffe konzentrierten sich allerdings auf die langen beta-Amyloide (Aβ1-40 und Aβ1-42) – zumeist mit geringem Erfolg. Der von Prof. Bayer entwickelte Antikörper (NT4X) nimmt dagegen erstmalig die kurzen Varianten ins Visier. Eine zusätzliche Besonderheit: Sein Antikörper bekämpft bereits die toxischen Vorstufen (Oligomere) der Amyloid-Plaques. Viele bisher fehlgeschlagene Antikörper-Studien richteten sich gegen die Plaques selbst.

Den Test an Mäusen hat der neuartige Antikörper bestanden und Prof. Bayer wurde für seine Erfindung mit dem Innovationspreis des Landkreises Göttingen ausgezeichnet.

Was wurde aus dem Projekt?

Im nächsten Schritt begann die Umformung des Antikörpers, genannt „Humanisierung“. Erst nach dieser Humanisierung ist der Antikörper einsatzbereit, um auch im Menschen getestet zu werden.

Wie geht es jetzt weiter?

Für die weitere Entwicklung braucht man einen starken Partner. Das hat die Universitätsmedizin Göttingen im Medical Research Council Technology (MRCT, London) gefunden. Das MRCT erhielt im Juli 2015 die weltweite Lizenz für die Erfinderrechte in Bezug auf die neuartige Therapie für die Behandlung von sporadischer und familiärer Alzheimer-Demenz, die auf dem Antikörper beruht. Die vom MRCT durchgeführte „Humanisierung“ des Antikörpers ist voraussichtlich im Frühjahr 2016 abgeschlossen. Dann ist der Antikörper fit für die erste klinische Phase, bei der geprüft wird, ob der Antikörper für Menschen gut verträglich ist und keine Nebenwirkungen mit sich bringt.

Ende gut, alles gut?

Erst muss bewiesen werden, dass der Antikörper bei Menschen verträglich ist und einen therapeutischen Nutzen hat. Das geschieht in verschiedenen Studien, bei denen immer mehr Probanden behandelt werden. Bis der Antikörper tatsächlich einmal als Medikament im Apothekenregal stehen könnte, dauert es daher noch einige Jahre. Dieser neuartige Antikörper lässt aber zumindest hoffen, irgendwann ein wirksames Medikament gegen die Alzheimer-Krankheit zu haben.

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