10.09.2015

Die Alzheimer-Krankheit ist nicht ansteckend

Aktuelle Forschungsergebnisse von britischen Wissenschaftlern sorgen für Verunsicherung. Die Forscher um Zane Jaunmuktane vom National Hospital for Neurology and Neurosurgery in London haben Hinweise darauf gefunden, dass Alzheimer-typische Eiweiße auf gesunde Menschen übertragen werden könnten. Die Ergebnisse wurden jetzt im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht.

Die Forscher hatten eigentlich die Gehirne von Menschen untersucht, die an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit verstorben waren. Diese Menschen hatten als Kinder zur Behandlung von Kleinwuchs Wachstumshormone aus den Hirnanhangdrüsen Verstorbener erhalten, die vermutlich verunreinigt waren. Die britischen Forscher fanden neben Gehirnveränderungen durch die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auch Ablagerung von Beta-Amyloid, das für die Alzheimer-Krankheit charakteristisch ist. Diese Ablagerungen treten bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit nicht auf. Hieraus folgerten die Forscher, dass die Ablagerungen ebenfalls von den verunreinigten Wachstumshormonen hervorgerufen wurden.

Was bedeutet das für Alzheimer-Patienten, Angehörige und Pflegepersonal?

Es gibt weiterhin keine Hinweise darauf, dass die Alzheimer-Krankheit ansteckend ist. Die britischen Forscher beschreiben eine sehr spezielle Situation, die für den alltäglichen Umgang mit Alzheimer-Patienten überhaupt keine Konsequenzen hat.

Außerdem hatten die verstorbenen Patienten weder Alzheimer-Symptome noch konnten die Forscher Ablagerungen des Tau-Proteins nachweisen, die ebenfalls für Alzheimer typisch sind. Auch besteht heute keine Gefahr mehr durch Wachstumshormone, da diese bereits seit 1985 künstlich hergestellt werden.

Der Münchner Alzheimer-Forscher Prof. Christian Haass, der lange unserem Wissenschaftlichen Beirat angehörte, warnte ebenfalls vor einer Überbewertung der Ergebnisse. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass eine Übertragung tatsächlich stattfinde.

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