16.06.2010

Die Alzheimer-Krankheit und ihre Stadien

Vor mehr als 25 Jahren konnten der deutsche Neuropathologe Professor Heiko Braak und seine Frau Professor Eva Braak (1995-1999 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der AFI) nachweisen, dass die Häufigkeit von Tau- Fibrillenbündeln präzise mit dem Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit zusammenhängt. Ihre Einteilung der Krankheit in sechs Verlaufsstadien wird seit 1997 aufgrund einer Empfehlung des amerikanischen National Institute on Aging (NIA) international eingesetzt und ist zum "Goldstandard" der Alzheimer-Stadieneinteilung geworden.

Goldstandard der Alzheimer-Stadieneinteilung

Von den ersten morphologischen Veränderungen bis zum klinischen Endstadium vergehen ca. 50 Jahre, das bedeutet, dass bereits zwischen dem 25. und 35. Lebensjahr die ersten pathologischen Prozesse beginnen können. Gehirnzellen mit Tau-Bündeln im Inneren sehen je nach dem Stadium der Erkrankung „immer kümmerlicher aus“, erzählt der inzwischen emeritierte Braak. Erst wenn die Hirnzellen sterben, hinterließen sie jene Tau-Knäuel, die „hart wie Stahl“ seien und die schon Alois Alzheimer unter dem Mikroskop beobachtet hatte.

In einem Interview erklärte Prof. Dr. Heiko Braak, die nach ihm benannten Stadien wie folgt:

„Das sind Einteilungen der pathologischen Veränderungen, die sich im Verlauf von neurodegenerativen Erkrankungen im Nervensystem des Menschen abspielen. Ich habe eine solche Stadieneinteilung für die beiden Erkrankungen Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson gemacht. Diese Konzepte erlauben bei der histologischen Untersuchung die Feststellung, bis zu welchem Grad die Erkrankung bereits fortgeschritten war (Stadieneinteilung). Der Gedanke, dass die Krankheit im Nervensystem langsam und unerbittlich voranschreitet, kommt aus klinischen Beobachtungen.

Bei Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson hat man deutliche klinische Hinweise darauf, dass die Krankheit schleichend einsetzt und dann über Jahre und Jahrzehnte hinweg kontinuierlich voranschreitet und die Symptome entsprechend immer ausgeprägter werden.“

 Braak-Stadien

Stadien I und II: Die Alzheimer-typischen Neurofibrillenbündel entstehen zunächst in Schläfenlappen des Gehirns, im transentorhinalen Kortex. Stadien III und IV: Weitere Teile des limbischen Systems, z. B. der Hippocampus sind von den Neurofibrillenbündel betroffen. Stadien V und VI: In der Neurofibrillenpathologie hat sich bei gleichzeitiger Zunahme der Intensität in den zunächst betroffenen Arealen weiter auf den Neokortex ausgedehnt; in diesen Stadien zeigen die meisten Patienten Symptome einer Alzheimer-Krankheit.

Die Alzheimer-Krankheit aus symptomatischer Sicht

Die Alzheimer-Krankheit verläuft nicht bei jedem Patienten in gleicher Weise. Die Art und Ausprägung der Symptome können sich unterscheiden. Die Krankheit lässt sich trotzdem in drei grundlegende Stadien einteilen.

Erstes Stadium

Im ersten Stadium verspüren Betroffene Kraftlosigkeit und verlieren an Spontaneität. Leichte Gedächtnisstörungen und Gemütsschwankungen sind typisch. Das Lern- und Reaktionsvermögen ist verlangsamt und ein Gedächtnisverlust schleicht sich allmählich in den (Arbeits-)Alltag. In diesem Stadium wäre ein Therapiebeginn ideal, doch werden die Symptome selten als behandlungswürdig registriert. Oft wird die zunehmende Vergesslichkeit kaschiert oder durch Merkhilfen aufzufangen versucht.

Zweites Stadium

Einfache alltägliche Aufgaben sind zu Beginn des zweiten Stadiums der Erkrankung für die meisten Patienten noch zu bewältigen. Auffällig sind die Verschlechterung der Sprache und Auffassungsgabe. Mitten im Satz den Faden zu verlieren oder sich außerhalb des Zuhauses zu verirren, lässt Patienten depressiv, irritiert und unruhig werden. Der stetige Verlust der Persönlichkeit und des Kurzzeitgedächtnisses erschweren den Tagesablauf der Betroffenen und der Angehörigen. Worterfindungen und Wortfindungssstörungen, sowie bekannte Gesichter nicht wiederzuerkennen, sind ebenfalls Kennzeichen des späten zweiten Stadiums.

Drittes Stadium

Im Endstadium der Alzheimer-Krankheit können Patienten kommen oft Kau- und Schluckbeschwerden hinzu. Der letzte Rest der Persönlichkeit schwindet. Das Gedächtnis ist sehr schlecht und der Patient erkennt kaum jemanden mehr. Die Patienten verlieren die Kontrolle über Blase und Stuhlgang und benötigen intensive Pflege. Nun kommen auch Begleiterkrankungen wie Lungenentzündung, Infektionen oder andere Krankheiten hinzu. Probleme mit der Atmung und dem Schlucken werden größer, besonders, wenn der Patient bettlägerig wird. Intensive Betreuung ist in diesem Stadium der Krankheit unabdingbar.

Weitere Informationen

Wenn Sie sich eingehend über den Krankheitsverlauf und die Veränderungen im Zuge der Alzheimer-Krankheit informieren möchten, empfehlen wir Ihnen unsere kostenlosen Ratgeber „Diagnose Alzheimer – Ehrliche Antworten für Patienten“ und „Leben mit der Alzheimer-Krankheit – Für alle die mehr wissen wollen“. Weiter zur Ratgeber-Seite

15 Jahre Alzheimer Forschung Initiative

Dieser Artikel ist Teil unserer Jubiläumsreihe zum 15-jährigen Bestehen der Alzheimer Forschung Initiative. Folgende Artikel sind erschienen:

Ausgabe 1 von 12: Wie die Krankheit zu ihrem Namen kam
Ausgabe 2 von 12: Als die Krankheit sichtbar wurde…

Ausgabe 3 von 12: Ist es schon Alzheimer, Herr Doktor?

Ausgabe 4 von 12: Erinnern auf Rezept? Zum Stand der Medikation

Ausgabe 5 von 12: Dürfen wir vorstellen? Die Amyloid-Hypothese

Ausgabe 6 von 12: Die Alzheimer-Krankheit und ihre Stadien

Ausgabe 7 von 12: Vererbtes Vergessen - Die Alzheimer-Gene
Ausgabe 8 von 12: Über das Ende eines großen Tabus
Ausgabe 9 von 12: Eine Initiative für die Erinnerung 
Ausgabe 10 von 12: Zukunftsmusik? Impfen gegen das Vergessen
Ausgabe 11 von 12: Wie das Gamma zu Alpha und Beta kam
Ausgabe 12 von 12: Aktuelle Alzheimer-Forschung im Fokus

 

Quellen:
www.zeit.de : “Das blaue Wunder“ http://www.zeit.de/2008/35/M-AlzheimerTextquelle und Bildquelle: Forschung Aktuell, Forschung Frankfurt 2/2007: Risikofaktoren der Alzheimer-Krankheit www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.deInterview mit Professor Braak auf den Seiten des Interdisciplinary Center for Neuroscience http://www.izn-frankfurt.de

 

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