24.03.2010

Ist es schon Alzheimer, Herr Doktor?

Ein bisschen Vergesslichkeit ist nur all zu menschlich und ganz verschiedene Ursachen können dafür verantwortlich sein. Nicht immer muss es die Alzheimer-Krankheit sein, aber ab wann wird das Vergessen eigentlich krankhaft?

Für eine Diagnosestellung unentbehrlich sind entsprechende Testverfahren durch den behandelnden Arzt. Ein neuropsychologisches Profil, bestehend aus Anamnese, Verhaltensbeobachtung und Testuntersuchung ist Teil des diagnostischen Prozesses. 1975 entwickelten von Folstein und Kollegen den Mini-Mental-Status-Test, der bis heute ein bewährter Standardtest in der Alzheimer-Diagnostik ist.

Nur Mut!

Wenn es um die Überprüfung kognitiver Leistungen geht, ist es für manche eine Überwindung, sich einem Arzt anzuvertrauen. Einfacher erscheint es zunächst, Gedächtnisprobleme zu verharmlosen oder zu überspielen. Andere wiederum sind dankbar für eine zuverlässige Klärung der Krankheitssymptome, auch wenn die Diagnose Alzheimer gestellt wird.

Es ist wichtig, früh abzuklären, was der Auslöser der Vergesslichkeit ist, um mögliche Ursachen zu behandeln und im Falle einer Alzheimer-Erkrankung frühzeitig mit einer Therapie zu beginnen. Dies hängt damit zusammen, dass die Medikamente, die es heute gibt, den Verlauf der Krankheit verzögern können und die beste Wirkung am Beginn der Krankheit zeigen.

Welchen Arzt sucht man auf?

Der Weg zum Hausarzt oder zum Facharzt ist für Betroffene der erste und wichtigste Schritt, um kognitive Leistungsstörungen überprüfen zu lassen. Spezialisiert sind Ärzte der so genannten Gedächtnissprechstunden an Kliniken, deren Testverfahren differenziertere Diagnosen zulassen. Eine Liste bundesweiter Gedächtnissprechstunden stellen wir Ihnen hier als Download zur Verfügung.

Der Mini-Mental-Status-Test (MMST)

Der Mini-Mental-Status-Test ist ein Schnelltest und dient der Erfassung kognitiver Störungen bei älteren Personen. Es handelt sich dabei um ein Interview mit Handlungsaufgaben, das vor allem praxisnahe Fragen beinhaltet, die von kognitiv nicht beeinträchtigten Personen im Regelfall problemlos zu beantworten sind, von Personen mit Demenzverdacht dagegen nur zum Teil bewältigt werden.

Seit seiner Einführung hat sich dieser MMST als zuverlässiges Hilfsmittel zur Erstbeurteilung eines älteren Patienten wie auch zur Verlaufskontrolle erwiesen. Dadurch ist er inzwischen das meistverwendete Instrument bei der Diagnose und Behandlung von Demenz und Alzheimer.

So verläuft der MMST

Die Aufgabenstellungen stammen aus den 5 Kategorien Merkfähigkeit, Erinnerungsfähigkeit, Orientierung, Aufmerksamkeit, Rechenfähigkeit und Sprache. Wichtig ist, dass während des Tests keine Störungen auftreten. Auch sollte der Betroffene ausreichend gut hören und sehen, damit er den Anweisungen auch folgen kann. Die maximale Punktzahl ist 30. Eine Demenz wird bei weniger als 20 Punkten angenommen. Unter 10 Punkte spricht man von einer schweren Demenz.

Fragen MMST

Der MMST ist ein Testverfahren, das durch erfahrene Untersucher durchgeführt wird und dem ein ausführliches Gespräch und weitere Untersuchungen vorausgehen. Eine körperliche Allgemeinuntersuchung gibt Hinweise auf die Funktionen der Organe. Blutdruck, Puls, Anzeichen für Herzkrankheiten und Lungenfunktion werden ebenfalls geprüft. Außerdem wird das Seh- und Hörvermögen getestet.

Weitere Tests im Überblick

Die nachfolgend beschriebenen Diagnoseverfahren zählen zu den so genannten psychometrischen Tests, die den Grad einer kognitiven Störung dokumentieren. Sie eignen sich für eine Verdachtsdiagnose. Durchgeführt werden die Tests in hausärztlichen Praxen von geschultem Personal und dauern in der Regel zwischen fünf bis zehn Minuten. Sinnvoll ist immer eine Kombination verschiedener Test, um die Aussagefähigkeit zu erhöhen.

Für eine gesicherte Differenzialdiagnose ist eine Überweisung zum Neurologen erforderlich. Dort stehen neuropsychologische Tests, eine ausführliche neurologische Untersuchung und bildgebende Verfahren zur Verfügung.

Besonders für die Früherkennung bewähren sich der DemTect und der TFDD. Denn auch bei der Demenz ist eine Verzögerung des Krankheitsverlaufes mit Hilfe von Medikamenten nur dann wirksam, wenn die Diagnose rechtzeitig gestellt wird. Weitere gebräuchliche Tests sind der Uhrentest und der Syndrom-Kurztest.

Demenz-Detektions-Test (DemTect)

Bestehend aus fünf Untertests:

  • zehn vorgelesene Worte wie „Telefon“ und „Hund“ sofort auswendig wiederholen
  • Zahlen als Zahlwort und Zahlwörter als Zahlen schreiben • im Supermarkt erhältliche Dinge in einer Minute nennen
  • Zahlenfolgen in umgekehrter Reihenfolge wiederholen und
  • die eingangs genannten zehn Begriffe nochmals wiederholen

Die Auswertung des Tests erfolgt mit Hilfe einer Umrechnungstabelle. Unter Berücksichtigung des Alters (jünger oder älter als 60 Jahre) erfolgt eine Punktevergabe aus den jeweiligen Untertests, die dann zu einem Gesamtergebnis addiert werden. Bei diesem Test unterscheidet man zwischen einer „altersgemäßen Leistung“, „leichter kognitiver Beeinträchtigung“ und „Demenz-Verdacht“.

Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung (TFDD)

Dieses Screening wurde entwickelt, um eine depressive Pseudodemenz auszuschließen, da Depressionen kognitive Leistungen beeinträchtigen können. Der Test besteht aus einem Demenz- und einem Depressionsteil. In neun Teststufen müssen zum Beispiel Wortlisten sofort und zeitlich verzögert wiederholt und Anweisungen zum Ausführen bestimmter aufeinander folgender Bewegungen befolgt werden.

Der Uhrentest (siehe unten) ist Teil der neun Teststufen. In zwei weiteren Untertests werden Demenz und Depressionen voneinander abgegrenzt. Für die Auswertung wird eine zehnstufige Skala herangezogen, die in einer Fremd- und einer Selbstbeurteilung der Gemütslage zwischen den Extremen „ausgeglichen“ und „schwer depressiv“ unterscheidet.

Wenn im Demenzteil mit einer erreichbaren Gesamtpunktzahl von 50 weniger als 35 Punkte erreicht werden, dann deutet dies auf eine Demenz hin. Im Depressionsteil mit einer möglichen Gesamtpunktzahl von 20 Punkten spricht ein Ergebnis von mehr als 8 Punkten für eine Depression.

Uhrentest

UhrentestDieser Test kann helfen, schon früh Veränderungen in der geistigen Leistungsfähigkeit zu erkennen. Er ist allerdings nicht mehr als ein Hinweis, aber dennoch zur Verlaufskontrolle geeignet. Für die korrekte Diagnose reicht der Test nicht aus.

Beim Uhrentest zeichnet die Testperson in einen vorgegebenen Kreis die zwölf Ziffern einer Uhr und die Stellung der Zeiger einer vorgegebenen Uhrzeit ein. Durch geschultes Personal wird beurteilt, wie die Uhrzeit eingezeichnet wird, wie die Ziffern verteilt sind und ob die Uhrzeit korrekt wiedergegeben wird.

Die Beobachtung des Patienten gibt außerdem Aufschluss darüber, wo während des Tests gezögert wird, ob Korrekturen nötig sind und wie viel Zeit für den Test benötigt wird.

Syndrom Kurztest (SKT)

Dieser Test ist recht ausführlich und wird von den Patienten gut angenommen, weil bei diesem Screening mit Bildern und Spielsteinen gearbeitet wird. Der Test hat dadurch einen spielerischen Charakter. Der SKT (Syndrom Kurz Test), der nur von geschultem Fachpersonal durchgeführt werden sollte, misst die Leistung von Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Er eignet sich zur Schweregrads- und Verlaufsmessung bei leichtem bis mittlerem Schweregrad der Demenz.

Der SKT besteht aus 9 Untertests (Gegenstände benennen, Gegenstände unmittelbar reproduzieren, Zahlen lesen, Zahlen ordnen, Zahlen zurücklegen, Symbole zählen, Interferenz, Gegenstände reproduzieren, Gegenstände wieder erkennen), deren Durchführung auf jeweils 60 Sekunden (per Stoppuhr gemessen) beschränkt ist. Er misst Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistung insbesondere in frühen und mittleren Stadien der Demenz.

Ursprünglich als Instrument zur Verlaufsmessung entwickelt, trennt der SKT auch sicher gesunde Kontrollpersonen von Patienten mit Demenz vom Alzheimer-Typ bei einem Punktwert von 5 und mehr. Der SKT-Gesamtwert weist hin auf „keine kognitiven Leistungsstörungen“, „leichte kognitive Leistungsstörungen“ (fraglicher Beginn eines dementiellen Syndroms) oder ein „dementielles Syndrom“ in leichter, mittelschwerer schwerer oder sehr schwerer Ausprägung.

Ausblick

Forscher entwickeln derzeit Bluttest, Augentest und Riechtest, die noch erprobt, bzw. weiter entwickelt werden müssen, um zu zuverlässigen Testergebnissen zu führen. Zum Thema Diagnostik der Alzheimer-Krankheit können SIe unseren kostenlosen Ratgeber "Diagnose-Verfahren bei Alzheimer" anfordern

15 Jahre Alzheimer Forschung Initiative

Dieser Artikel ist Teil unserer Jubiläumsreihe zum 15-jährigen Bestehen der Alzheimer Forschung Initiative. Folgende Artikel sind bisher erschienen:

Ausgabe 1 von 12: Wie die Krankheit zu ihrem Namen kam
Ausgabe 2 von 12: Als die Krankheit sichtbar wurde…

Ausgabe 3 von 12: Ist es schon Alzheimer, Herr Doktor?

Ausgabe 4 von 12: Erinnern auf Rezept? Zum Stand der Medikation

Ausgabe 5 von 12: Dürfen wir vorstellen? Die Amyloid-Hypothese

Ausgabe 6 von 12: Die Alzheimer-Krankheit und ihre Stadien

Ausgabe 7 von 12: Vererbtes Vergessen - Die Alzheimer-Gene
Ausgabe 8 von 12: Über das Ende eines großen Tabus
Ausgabe 9 von 12: Eine Initiative für die Erinnerung 
Ausgabe 10 von 12: Zukunftsmusik? Impfen gegen das Vergessen
Ausgabe 11 von 12: Wie das Gamma zu Alpha und Beta kam

Als E-Mail Newsletter Abonnent informieren wir Sie per E-Mail, sobald ein neuer Artikel aus dieser Reihe online erscheint.


Quellen:

  • Christine von Arnim, Kurze Tests erhärten den Verdacht auf Demenz, Forschung und Praxis, 461, 2007.
  • „Das Anti-Alzheimer-Buch: Ängste, Fakten, Präventionsmöglichkeiten“ Hans Förstl und Carola Kleinschmidt, Kösel-Verlag, 2009.
  • Hogrefe Testsystem, Handbuch MMST Mini-Mental-Status-Test.
  • Bildquelle Uhrentest: www.docmed.tv

Zurück zur Übersicht